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Karibu Kenya - Von Matatus bis Uber: Eine Reise durch die Transportvielfalt Nairobis - ein persönlicher Bericht

Aktualisiert: 17. Apr.

Die Ankunft


Was mir sofort an Nairobi aufgefallen ist: Diese Stadt sieht so aus, als wäre sie Mitten in die Natur gebaut worden.

Als ich ankam war es dunkel, ein Freitagabend Anfang September. Den ganzen Tag habe ich im Flugzeug verbracht.

Nach knapp 10 Stunden im Flieger (natürlich ohne eine Minute Schlaf) bin ich also endlich gelandet.

Bei all meinen Reisen ist das, was danach kommt, für mich eines der Highlights - jedes Mal, wenn ich an einem neuen Ort bin: Die erste Fahrt durch die neue Stadt - vom Flughafen zum neuen Zuhause - in Kenia zumindest für die nächsten 3 Monate.


Man nimmt das erste Mal die neue Umgebung wahr, die Menschen, die Infrastruktur.

Man fühlt den Vibe, den dieser neue Ort ausstrahlt und ich fühle dann sofort "Mag ich es hier oder nicht?"


Meine Freunde Larissa und René holten mich vom Flughafen ab. Zusammen bauen wir gerade unsere eigene Organisation Future. Empowerment. Africa e.V. (FEA) auf, in der wir unsere gemeinsamen Leidenschaften verbinden - die Faszination für die Diversität des afrikanischen Kontinents, insbesondere für Kenia.

Wir möchten mit Stereotypen aufräumen und das nachholen, was bei uns während unserer schulischen Laufbahn ausgelassen wurde: Das Wissen und den Einfluss über den afrikanischen Kontinent vermitteln und dabei selbst Einfluss auf die soziale Gerechtigkeit in Kenia nehmen (hier findet ihr mehr Informationen zu unseren Programmen). Es ist also unser erster gemeinsamer Aufenthalt in diesem Land, zudem ist es eher spontan gekommen.


Vom Flughafen fährt man in Nairobi direkt am Nationalpark vorbei.

Eine der Besonderheiten dieser Stadt. Viele kennen wahrscheinlich die Bilder von den Giraffen oder Nashörnern vor der Skyline einer Großstadt - das ist Nairobi.


Große Leuchttafeln bieten Safaritouren an. Der Highway ist breit, mehrspurig und gibt einen Vorgeschmack auf das, was mir in den nächsten Monaten bevorstehen wird - jede Menge Stau.

Weiter rein in die Stadt baut sich nach und nach die Skyline auf. Ich bin jetzt schon beeindruckt.


In der Innenstadt angekommen, füllen sich die Straßen nach und nach mit Menschen. "Sehr viel los für diese Uhrzeit", denke ich mir - aber schließlich befinden wir uns auch in der Hauptstadt Kenias.

Der Vibe unterscheidet sich von dem einer jeden Stadt, in der ich bis jetzt gewesen bin.

Ich fälle also bereits mein Urteil, dass ich die nächsten Monate kaum erwarten kann.






Mein Apartment befindet sich in einem großen Hochhaus, ein Gebäude voll mit Serviceapartments, in dem wohl niemand länger als ein paar Monate lebt.

Es befindet sich in einem eher westlichen Teil Nairobis, in dem Stadtteil Westland.

Von meinem Balkon blicke ich auf das "Central Business District" - CBD - dort, wo sich die die hohen Gebäude erheben. Viele nationale und internationale Unternehmen sind dort ansässig.


Neben. meinem Gebäude befindet sich der Highway, der mitten durch die Stadt führt. Aufgeteilt in zwei Straßen übereinander.

Die untere Straße führt fast einmal komplett durch Nairobi. Es gab kaum Zeiten, in denen ich dort nicht im Stau stand. Die obere Straße - der Expressway - ist eine ähnliche Route. Er führt 27 km quer durch die Stadt von Westlands nach Mlolongo. Je nach Art des Fahrzeugs wird eine Maut zwischen 150 KSH (kenianische Schilling) und 500 KSH fällig (1,15 USD - 3,85 USD).


Der Bau des Expressway ist ein kontroverses Thema in Nairobi. Zum einen sollte das Ziel sein, vor allem die Fahrtdauer zwischen dem Flughafen und der Innenstadt zu verkürzen aber auch allgemein die angespannte Verkehrssituation zu entschärfen. Viele Autofahrer:innen beschweren sich jedoch über die zu hohen Gebühren (je nach Quelle beträgt das durchschnittliche Einkommen in Nairobi zwischen 50.000 KSH und 80.000 KSH, also etwa zwischen 350 USD und 600 USD).

Zum anderen gerät der Expressway immer wieder in die Diskussion, da der Bau vollständig von der China Road and Bridge Corporation finanziert wurde. Im Gegenzug erhält die Firma solange die Einnahmen aus dem Expressway, bis sich der Bau amortisiert hat. Laut der kenianischen Regierung soll dies etwa 27 Jahre dauern.


"Chap Chap" oder "Boda Boda"?


Mein Haupttransportmittel in dieser Stadt wird das Auto (Uber) und der Roller sein, mit dem Auto verstopfe ich also auch mit meiner Art des Transports die Straßen.

Also, die Uber-App aktualisiert - in Köln benutze ich Uber so gut wie gar nicht - und schon stehe ich vor der ersten Auswahl: Welches Uber rufe ich denn jetzt? Uber X und was soll bloß ein "Chap Chap" sein?

Genauso steht es in der App. Die Rate für das Chap Chap ist wesentlich günstiger. Also ist dies die nächste Frage für meinen Freund, der mir erklärt, dass Chap Chap kleinere Autos sind, sehr kastenförmig in verschiedenen Ausführungen, von privaten Fahrer:innen.


Ich bin sehr neugierig, als ich mir mein erstes rufe.


Was "Chap Chap" bedeutet, habe ich erst einige Zeit später gelernt. Chap ist Kiswahili und bedeutet "schnell". Chap Chap bedeutet entsprechend "schnell schnell".

Eigentlich kann sich die Wahl des Namens nur auf die Wartezeit beziehen, die ist nämlich wirklich erstaunlich kurz, die Dauer der Fahrt kann es jedenfalls nicht sein.


Und so sitze ich in meiner ersten Fahrt alleine auf dem Weg nach Karen, einem Stadtteil weiter im Süden und beobachte aufmerksam das erste mal die Stadt im Hellen.

Es ist alles so grün, so große Bäume, so viele Pflanzenverkaufsstände. Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, das war es nicht.

An der Ampel fallen mir die vielen Roller auf, die sich durch die wartenden Autos quetschen. Viele der Fahrer tragen eine orangene Weste und haben Menschen, Einkäufe oder Möbel hinten drauf. Meinen persönlichen Rekord hält der Rollerfahrer, der auf seinem Roller einen weiteren Roller hinten drauf transportierte.

Mein Fahrer erklärt mir, dass die Roller hier "Boda Boda" genannt werden, ein weiteres beliebtes Transportmittel in Nairobi.

Der Name kommt mir sofort bekannt vor, ich habe ihn schon mal gelesen, als ich mir über die Uber-App das Chap Chap bestellt habe.


Ich bin begeistert, du kannst dir also über die Uber-App ein "Boda" bestellen - einen Helm mitzunehmen liegt allerdings in deiner eigenen Verantwortung. Ein Boda ist wohl die wesentlich schnellere Möglichkeit sich in Nairobi fortzubewegen. Mit dem Auto dauerte der Weg von meinem Büro nach Haus circa 10 Minuten - in der Rush-Hour waren es 60 Minuten. Deswegen kann man sich vorstellen, wie häufig ich dann doch auf das Boda zurückgriff, nachdem ich den Schock der ersten Fahrt überwunden hatte. Der Fahrer kam an, wir waren zu zweit. Ich setze mich gemeinsam mit einem Freund hinten drauf. Anscheinend war der Fahrer darauf bedacht, möglichst schnell unser Ziel zu erreichen, denn der führte über den Highway - allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Also saßen wir zu Dritt auf diesem kleinen Roller und ich traute mich nicht mehr nach vorne zu gucken. Nach circa 10 Minuten sind war dann sicher an unserem Ziel angekommen. Ab diesem Zeitpunkt bin ich jede kurze Strecke nur noch mit dem Boda gefahren, das Ausweichen des Staus hat bei mir definitiv überwogen.


Rückblickend kann ich sagen, dass mich der Stau am Anfang noch gestresst hat - und wenn man wirklich dringend irgendwo hin möchte, dann rutscht man auch nur noch nervös auf seinem Sitz herum - im Laufe meiner Zeit in Nairobi habe ich angenommen, dass ich die Situation nun mal nicht ändern kann - ich komme an, wenn ich ankomme. Mehr Gelassenheit ist also definitiv ein "Take away" für mich.


Matatus


Gelassenheit brauch man definitiv auch, wenn man sich mit anderen Verkehrsmitteln in Nairobi fortbewegt. Die meisten meiner Arbeitskolleg:innen in Nairobi bestreiten ihren Weg zur Arbeit mit einem Matatu. Dies sind private Minibusse, die als Art Großraumtaxi benutzt werden. Die Kosten variieren stark, liegen aber abhängig von der Strecke zwischen 50 KSH und 100 KSH ( 0,40 USD und 0,80 USD) und ist damit für die meisten Bewohner:innen Nairobis bezahlbarer als eine Fahrt mit dem Chap Chap. Über 70% aller Pendlerfahrten werden in Nairobi mit dem Matatu zurückgelegt.


Matatus prägen das Stadtbild von Nairobi. Bei meiner erstes Fahrt durch die Stadt sind sie mir aufgefallen, da die kleinen Busse meistens angemalt sind mit Porträts von berühmten Personen (meistens aus der Hip-Hop Szene) oder mit Sprüchen. Überhören kann man sie oft auch nicht, da nicht selten laute Musik und bunte Lichter aus den Bussen tönen.


Auch wenn die Minibusse im Privateigentum sind, gibt es strenge Regularien von der Regierung, was die Sicherheit angeht. Es müssen unter anderem Geschwindigkeitsregler und Sitzgurte verbaut sein.

Das Ein- und Aussteigen läuft nicht über Bushaltestellen. Wenn ihr euch in Nairobi befindet und viele Menschen an der Straße warten seht, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie auf ein Matatu warten. Wann das nächste kommt weiß man nicht, man wartet einfach entlang der festen Route an der Straße und hofft darauf, dass der nächste Bus noch nicht voll ist.


Zur Rush-Hour fahren Matatus allerdings in der Regel nur zwischen einem einzigen Abhol- und Rückgabepunkt.


Eine kleine Überraschung gab es für mich noch: Es gibt mehr Fahrradfahrer:innen in der Stadt als ich erwartet hatte. Vor allem auch, wenn man die wenigen bis nicht vorhandenen Fahrradwege bedenkt. Jeden Monat gibt es eine eigenständig organisierte Fahrraddemo, die sich für mehr Sicherheit in dem Straßenverkehr und mehr Fahrradwege einsetzt.


Es gibt verschiedene Wege sich in der Stadt zu bewegen. Welchen man wählt, hängt wohl am meisten von dem Budget und der Zeit ab, die man investieren möchte/kann.


Da ich häufig Fragen zu den Sicherheitsaspekten erhalte, möchte ich erwähnen, dass ich mich zu jeder Zeit sicher und wohl gefühlt habe, wenn ich in Nairobi unterwegs gewesen bin. Alle Fahrer:innen waren sehr freundlich und ein Gespräch lohnt definitiv, um mehr über das Leben in Kenia zu verstehen.


Ich freue mich, über den Blog von FEA regelmäßig meine persönlichen Reiseberichte inklusive einiger interessanter Fakten über Nairobi und Kenia mit euch zu teilen!

Das nächste Thema wird das sehr innovative und digitale Bezahlsystem sein, was vermutlich den ein oder anderen Deutschen neidisch werden lässt - mich auf jeden Fall.


Solltet ihr Fragen oder Anmerkungen haben, erreicht ihr mich unter julia@team-fea.com





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